Dienstag, 28. Mai 2013

Statt-Schule-Programm bei Schulvermeidung

Schulverweigerung und Schulphobie geht oft auch mit einer Beziehungsstörung einher oder wird hierin (mit) ursächlich gesehen. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Kind, das aus psychischen Gründen nicht die Schule besuchen kann, in dieser Phase kein stabiles Selbstwertgefühl hat und allgemein Unsicher ist.

Daraus folgen für die familiären und freundschaftlichen Beziehungen drei  klare Aufträge:

1. positive Verstärkung in Form von Lob, wo möglich
2. ehrliche konstruktive Kritik, wo nötig
3. eine Sicherheit bietende Tagesstruktur mit klaren Regeln

Lob und Kritik sind gleichermaßen wichtig. Ein Ungleichgewicht in Richtung übertriebenes Lob würde zu einem falschen Selbstbild führen und negative, destruktive Kritik würde für einen weiteren Abbau des Selbstwertgefühls sorgen.


Für die Erziehenden ist dies eine echte Aufgabe, da eine dauerhafte Schulverweigerung des Kindes für sie Druck auf unterschiedlichen Ebenen mit sich bringt (Selbstzweifel „Was haben wir falsch gemacht?“, Schulpflicht „Sie müssen ihr Kind zur Schule bewegen!“, sozialer Druck „Warum geht eure Tochter/euer Sohn nicht zur Schule?“)
Gerade deswegen: die Beziehung zum Kind muss gut gepflegt werden, um es zu unterstützen. Kritik also immer ausschließlich an den Taten üben und positiv formulieren. Niemals die Persönlichkeit des Kindes kritisieren, nur das konkrete Verhalten!! (z.B. „Es regt mich total auf und macht mich sauer, dass du morgens so ein Theater veranstaltest/laut bist/schimpfst. Ich fände es viel schöner, wenn wir in Ruhe miteinander frühstücken könnten!“)

Unabdingbar wichtig ist es – gerade bei längeren Phasen der Schulvermeidung – zu Hause eine möglichst strikte Alltagsstruktur einzuhalten. Klare Regeln und Vorschriften und deren konsequente Einhaltung sind für das Kind unangenehm und es wird zu Konflikten im häuslichen Bereich kommen. Auch bei diesen Konflikten ist es wichtig, dass das Kind spürt, dass die Regeln und Konsequenzen dem Schutz und der Unterstützung des Kindes dienen.
Wenn solche Konflikte ausgetragen werden und das Kind merkt, dass die Beziehungen nicht darunter leiden, steigert dies das Selbstwertgefühl.

 

Weder Kinder noch Erwachsene können besonders gut zuhören, wenn sie sich streiten. Deshalb macht es Sinn, in einer ruhigen Situation die Regeln und die Struktur durchzusprechen. Noch besser ist es, etwas wie einen Vertrag aufzusetzen, aus dem auch die Gründe für die Regeln und die vorgeschriebene Struktur hervorgehen. Auch hier wieder positiv formulieren!

Eine Vorlage für solche Regeln und Strukturen in Schriftform finden Sie hier:

Es ist meist leichter mit anderen Kindern Hausaufgaben zu machen, als mit den eigenen. Das liegt an der emotionalen Nähe und ist ganz normal. Wenn es um die Veränderung grundsätzlicher Verhaltensweisen und Einstellungen geht, ist die emotionale Nähe noch gravierender im Weg. Es ist unbedingt empfehlenswert, therapeutische Unterstützung  von außen zu suchen. Hierbei sollte nicht nur das Kind, sondern möglichst alle Bezugspersonen mit einbezogen werden (systemischer Ansatz).

Ich wünsche allen Betroffenen die nötige Kraft, gestärkt aus dieser Phase hervorzugehen.

Einen weiteren Blog-Beitrag zum Thema Schulangst finden Sie hier:

Bildquellen: Gerd Altmann  / pixelio.de
Jorma Bork  / pixelio.de 

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