Freitag, 17. Mai 2013

Alles virtuel? Wohin führt der Wandel der Freizeitgestaltung?

„Wir hatten früher nicht solche Möglichkeiten als Kinder und wir waren trotzdem glücklich! Wir haben uns unsere Spielsachen selbst gebaut und waren froh, wenn wir eine Puppe oder ein Auto zum spielen hatten. Das war dann schon was besonderes!“ so berichtete mir meine Oma früher. Ich habe sie dann oft belächelt (natürlich hinter vorgehaltener Hand). Na klar, dachte ich mir, wenn es nichts anderes gäbe, wäre ich auch mit dem zufrieden, was ich hätte.

So im Alter von 15 Jahren kamen dann die ersten Rechner auf. Ich war stolzer Besitzer eine Comodore VC20 mit 32 kB. Ich lernte ein wenig in TurboPascal zu programmieren und in der Clique spielten wir alles, was die Datasette hergab.
Sehr zum Leidwesen unserer Eltern waren wir nun kaum noch draußen. „Man kann doch nicht den ganzen Tag vor dem Computer sitzen!“ hörte ich häufig. Doch, das konnten wir damals alle. Mein größter Traum war ein Akustikkoppler, um in das glorifizierte Netz vordringen zu können. Mangels Möglichkeiten verabredeten wir uns aber weiter im „real live“.

Heute sind meine Kinder in dem Alter und die Entwicklung ist nicht stehen geblieben. Wovon wir früher nicht zu träumen gewagt hätten ist wahr geworden: Um sich mit Freunden zu treffen, muss man nicht einmal das Zimmer verlassen.

Kurze SMS oder schnell bei Skype gucken wer „on“ ist. Was spielen wir? Wo treffen wir uns? Welche „Ini“ machen wir? Bei freier Fahrt können sich viele Kids und Jugendliche über Stunden und Tage allein im virtuellen Raum aufhalten. Man trifft Freunde und lernt andere Menschen kennen. Es wird über Belangloses aber auch über aktuelle Themen geskypt. Politik, Wirtschaft, Freundschaft, Arbeit, Schule – die Themen unterscheiden sich kaum von unseren Themen vor fast 30 Jahren. Lediglich der Raum hat sich geändert.

Allein der Raum hat sich geändert. Es findet mehr Sozialisation im virtuellen Raum statt als in der Realität.

Wenn ich nun die Prognose stelle: „Das ist nicht gut. Aus den Menschen kann nichts werden.“ höre ich ein wenig meine Eltern und Großeltern in meiner Stimme. Die hatten nicht Recht mit ihrer düsteren Ahnung. Und doch: die Welt hat sich geändert. Und das wird sie sicher auch weiterhin tun. Welche Auswirkungen der heutige Wandel in der Freizeitgestaltung der Jugendlichen wirklich haben wird, lässt sich sicher erst in 20 Jahren sagen.

Was bleibt ist eine diffuse Angst um die Kinder und die Hoffnung, dass sie dennoch glücklich werden...

Ursprünglich veröffentlicht am 23.01.2011 bei "Blog am Sonntag"

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