Samstag, 18. Mai 2013

Ostern bei der Bahn – Suche nach dem Sinn

„Oh, ein neuer Fahrscheinautomat! Das kann ja heiter werden.“ dachte ich bei mir, als ich einen Touchscreen entdeckte, wo kürzlich noch reale Tasten für ein haptisches Erlebnis sorgten.

Meine Sorge war unberechtigt, denn der Betreiber wusste wohl, wie wichtig Oberflächenreize für die Fingerkuppen sind. So hatte er fürsorglich den Touchscreen sehr unempfindlich eingestellt und dafür Sorge getragen, dass der Cursor nur sehr langsam über den Monitor schlich. Hätte ich nicht durch das Bass spielen schon Hornhaut an den Fingerkuppen, nach der Bedienung des Automaten, hätte ich sie spätestens gehabt.

Nach einer ausgiebigen Massage der Finger war ich aber doch am Ziel – dachte ich zu dem Zeitpunkt naiv – und der Automat forderte mich auf, 29,- € für ein Niedersachsenticket zu bezahlen. Nach kurzem Zögern schluckte der Automat meinen 20,- € Schein. Auch der erste 5,- € Schein wurde von ihm angenommen. Was dann geschah verblüffte mich: Der Automat weigerte sich beharrlich den zweiten 5,- € Schein auch nur ein wenig einzuziehen. Er hat ihn sich nicht einmal angesehen.

„Kein Problem!“ dachte ich in meiner nicht enden wollenden Naivität und drückte ein wenig beleidigt und sehr energisch auf den Button „Vorgang abbrechen!“
Meine Verblüffung ließ nun meinen Unterkiefer hängen und mich ein wenig dümmlich aussehen, als ich las: Ihr Gutschein wird gedruckt. Ich wollte keinen Gutschein. Ich wollte mein Geld!!

Bevor ich ernsthaft meine Stirn in Falten legte, dachte ich an den freundlichen Zugbegleiter. „Gutschein oder Geld? Spielt ja keine Rolle, ich will ja sowieso ein Ticket!“

Nach kurzer Verspätung kommt der Zug und die Türen öffnen sich. In etwa fünf Metern Entfernung guckt vorsichtig ein junger Mann mit blauem Hemd und blauer Hose sehr wichtig in Richtung Triebwagen. Mit einem Lächeln gehe ich auf ihn zu und sage mit fester Stimme: „Sie habe ich gesucht!“ Er scheint irritiert und blickt auf seinen Ärmel, um sich über seine Funktion versichern zu wollen. Auf seinem Ärmel steht deutlich: Security in verständlichem Deutsch. „Ach so!“ falle ich ihm ins Wort als er nach Luft schnappt „Eigentlich suche ich den Schaffner.“ Der arme Mensch erwacht nun aus seiner Agonie deutet hinter mich und sagt laut „Zwei Wagons weiter hinten!“ Da ich nun alle Informationen habe, die ich brauche, schreite ich von dannen. Der Sicherheitsbedienstete läuft mir aus unerfindlichen Gründen nach. Als ich die Zugbegleiterin erreiche bleibt es jedoch auf Sicherheitsabstand. Sicher ist sicher!

„Guten Tag junge Frau!“ beginne ich das Gespräch „Ich habe ein Problem, bei dem sie mir sicher weiter helfen können: Ich bräuchte ein Niedersachsenticket und der Automat scheint defekt zu sein, denn er hat nur 25,- € genommen und mir dann einen Gutschein ausgedruckt.“
Mit einem beruhigenden und nicht unattraktivem Lächeln entgegnet sie „Ach ja, die neuen Automaten... Kein Problem, sie können den Fahrschein bei mir lösen. Das macht dann 29,- €.“
„Ja, ich weiß!“
Bei den Worten öffne ich mein Portemonnaie, um den Gutschein und das fehlende Geld heraus zu holen. Mir entgeht dabei nicht ihr interessierter Blick auf mein Gespartes.
„Den Gutschein darf ich nicht annehmen, den können sie aber problemlos bei der Metronom einlösen!“
Mein Entschluss diesen Tag zu genießen und mir die Laune nicht verderben zu lassen gerät nun doch ein wenig ins Wanken.
„Und was, wenn ich nicht bezahlen will?“
„Dann sind sie ein Schwarzfahrer.“
„Und dann muss ich 40,- € Strafe zahlen?“
„Ja!“
„Obwohl ich einen Gutschein von ihrem Unternehmen habe!?“
„Ja! Den Gutschein können sie bei mir nicht einlösen!“
„Dann müsste ich bei der nächsten Station aussteigen?“
„Und 40,- € zahlen!“
Der Blick der Zugbegleiterin gleitet nun auffällig in Richtung Sicherheitsbeamten, der immer noch in sicherem Abstand wartet.
Ich habe noch eine letzte Idee: „Wenn der Automat mir 25,- € abgenommen hätte und ich nun nur noch 5,- € hätte, was wäre denn dann?“
„Das wäre eine andere Situation. Aber sie haben ja genügend Geld dabei.“
Ich höre feste Schritte hinter mir und gebe der freundlichen Zugbegleiterin 30,- € und ärgere mich nun doch.

Als ich mein Ticket in der Hand habe, sage ich laut zu mir „Da habe ich jedenfalls eine tolle Geschichte für meinen Blog!“
„Das muss doch wohl nicht sein!“ höre ich die Zugbegleiterin sagen.

Doch!

(ursprünglich veröffentlicht am 24.04.2011) 

www.dreier-kukt.de

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