Samstag, 18. Mai 2013

Die zwei Bedingungen gesunder Beziehungen

Bei dem Wort "Beziehung" denken die Meisten an eine Liebesbeziehung. Es geht im Folgenden um jede Art von Beziehung Liebesbeziehungen ebenso wie Freundschaften und die Beziehungen unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern.

Wo liegt der Unterschied zwischen den Beziehungen? Letzten Endes ist es vielleicht nur das Ziel, der Zweck der Beziehung, der den Unterschied ausmacht. Diesen Punkt werde ich außer Acht lassen und mich auf die Struktur beschränken.

Objektiv gesehen gehören zu jeder Beziehung zunächst zwei Personen, die ihr bisheriger Weg zusammengeführt hat und die ein bestimmtes Ziel verfolgen, das beide zusammenhält.

Damit wäre dann schon der wichtigste Punkt für jede Beziehung genannt: eigenständige Persönlichkeiten. Für ein WIR muss es zwei unabhängige ICHs geben. Ich muss also ich selbst sein, um ein vollwertiger Partner zu sein. Um so mehr ich eine eigenständige Persönlichkeit bin, um so besser. Um so mehr wir die Werte und Vorstellungen anderer, z.B. unserer Eltern, unserer Professoren und anderer Bezugspersonen unreflektiert übernehmen, um so weiter entfernen wir uns von unserer Eigenständigkeit und unserem Potenzial für unsere Beziehungen.

Der zweite Punkt für eine gute Beziehung liegt in der Wahrnehmung des anderen. Auch hier ist es von existenzieller Notwendigkeit, dass wir den anderen so annehmen, wie er ist.

Wir gehen als ICH in eine Beziehung und es ist leicht, sich dann im WIR zu verlieren:
„Was machst du Silvester?“
„Ich glaub, wir bleiben zu Hause.“

Die eigenständige Person, als die wir in eine Beziehung gehen, gilt es in der Beziehung zu bewahren. Für uns und für unseren Partner. Das bedeutet auch, dass wir das Bild/die Vorstellung, die wir von unserem Partner haben stets hinterfragen müssen, um offen dafür zu bleiben, immer wieder neue Facetten an ihm kennenzulernen.
Sätze wie “Mein Partner fände dieses oder jenes nicht gut!” sind der erste Schritt in eine Sackgasse. Leicht kommt man hier in eine Sackgasse. Der Partner versucht womöglich, aus Angst sein Gegenüber zu enttäuschen, dieser Erwartung gerecht zu werden und “spielt mit”. Damit festigt sich das Bild und der Satz wird immer öfter fallen und über kurz oder lang zu einer unglücklichen Beziehung oder dem Ende der Beziehung führen.

Der Weg zu einer gesunden Beziehung ist somit ganz einfach: Ehrlichkeit und Offenheit auf sich selbst und den Partner bezogen!

In jeder Unehrlichkeit liegt eine Entmündigung des Partners. Immer wieder höre ich den Satz, “Das will ich meinem Partner nicht sagen, um ihn zu schonen. Das nehm ich ihm lieber ab.” Eine noble Geste könnte man meinen. Weit gefehlt! Die Aussage, die dahinter steckt, lautet: Das kann mein Partner nicht. Das kann ich besser. Ich weiß, was für meinen Partner gut ist.

Nicht nur die Ehrlichkeit, auch die Offenheit ist dem Partner gegenüber wichtig und mindestens ebenso auch sich selbst gegenüber! Wir alle tragen unendlich viele Übertragen von unseren Bezugspersonen aus der Kindheit mit uns herum. Viele davon haben wir selbst angenommen und entdecken irgendwann in unserem Leben, dass wir ganz anders sind, als wir gedacht haben.

Eine gute Beziehung gleicht somit einer wundervollen Entdeckungsreise der eigenen Welt und der Welt eines anderen. Im Idealfall begeht man diese Reise zusammen!

(ursprünglich veröffentlicht 12.02.2011)

www.dreier-kukt.de

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