Wenn das Quietschen leise und unaufdringlich ist, wird das Geräusch vielleicht eine Weile überhört. Doch es kommt der Zeitpunkt, da wird eine Werkstatt angesteuert. Ob es eine Fachwerkstatt oder der freundliche Schrauber von nebenan ist - es soll gewährleistet werden, dass der Wagen einsatzbereit bleibt. Selbstverständlich, oder?
Was aber, wenn es bei einem selbst "quietscht"?
Eine Gruppe von Menschen plant eine Reise zu einer 500 Kilometer entfernten Stadt mit einem Reisebus. Alle freuen sich auf die Fahrt. Dann kommt der Bus, um die Reisenden abzuholen. Es qualmt ein wenig aus dem Motorraum und schon bevor man den Bus gesehen hat, konnte man Fehlzündungen hören. Mit laut quietschenden Bremsen kommt er zum Stehen.
Die Reisenden bringen ihre Skepsis über die Zuverlässigkeit des Fahrzeugs zum Ausdruck. Einige lachen laut, andere schimpfen wild gestikulierend.
“Das wird schon!” beschwichtigt der Busfahrer. “Bisher haben wir fast jedes Ziel erreicht!”
Als der Bus langsam ins Rollen kommt legt der Busfahrer schnell einen Stein, den er mit aus dem Bus genommen hatte, hinter einen Reifen.
“Einsteigen bitte, meine Herrschaften, solange der Motor noch warm ist!”
Würden Sie in diesen Bus einsteigen?
Es gibt Menschen, die sorgen nicht nur für die Erledigung der notwendigen Reparaturen, die lassen sogar vorsorglich Inspektionen durchführen bevor etwas defekt ist. Es gibt sogar Menschen, die investieren in ihr Auto und dekorieren es mit Spoilern, Alufelgen, etc.
Mobilität heißt das Zauberwort. Wer will schon riskieren, auf der Strecke zu bleiben? Und nicht nur das sichere Erreichen des Zieles, auch der Weg zum Ziel ist vielen Menschen wichtig! Lederausstattung, Klimaanlage, Navigation, ruhige Fahrweise, gute Beschleunigung.
Wie hätten Sie es am Liebsten?
Ein bemerkenswertes Phänomen ist, dass viele Menschen sehr klare Vorstellungen von dem idealen Beförderungsmittel haben und bereit sind Gedanken, Zeit und Geld darin zu investieren, aber sich kaum Gedanken über Ihre eigenen emotionalen Kompetenzen und ihre Persönlichkeitsstruktur machen. Dabei ist der Unterschied zwischen dem Erreichen eines Zieles auf der Landkarte und dem Erreichen eines Zieles auf der Landkarte des Lebens nicht so groß.
Was tun Sie, wenn Sie merken, dass Sie mit bestimmten Situationen, Typen oder Verhaltensweisen immer wieder Schwierigkeiten haben?
Es stellt sich unweigerlich die Frage “Warum fällt es vielen Menschen leichter für ihr Fortkommen auf der Autobahn zu sorgen als für ihr Fortkommen im Leben?”
Einen großen Teil trägt dazu sicher die Fähigkeit mit Fehlern umzugehen bei. Fehler und Makel werden nicht gern gesehen. Leistung und Perfektion sind gefragt! Doch mit dieser Haltung steuern wir direkt in eine Sackgasse:
Fehler vermeiden bedeutet das zu tun, was wir können und wo wir uns der Anerkennung anderer und der Stärkung unseres Selbstwertgefühls sicher sein können. Um so mehr wir also Fehler vermeiden, um so stärker haften wir an unseren festgefahrenen Wegen. Es sind gerade Fehler, die uns weiter bringen, und für eine Entwicklung sorgen!
Wir können also dankbar sein, wenn es bei uns einmal quietscht und wir merken, dass wir Schwierigkeiten haben. Wenn wir diese Schwierigkeiten lösen (ob allein oder mit professioneller Hilfe) sind wir wieder ein Stück mobiler und sicherer auf den Straßen des Lebens unterwegs.
Wie bei einem Auto macht es übrigens Sinn, anstatt zu warten bis man liegen bleibt, frühzeitig kleine Mängel zu beseitigen
(ursprünglich veröffentlicht 28.01.2011)
www.dreier-kukt.de
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