Samstag, 18. Mai 2013

Sozialer Egoismus

Hilfreich, nett, freundlich, zuvorkommend und höflich. Diese viel gepriesenen Tugenden scheinen dem Begriff Egoismus entgegen zu stehen. Es macht weithin den Eindruck, dass man nicht gleichzeitig egoistisch und altruistisch sozial sein kann. Es geht nur entweder oder.
Oder?
Von Geburt an ist unser Leben – wie das Leben jedes Lebewesens - auf ein Ziel hin ausgerichtet: unser Überleben und das Überleben unserer Art sichern. Wäre nicht unser eigenes Überleben somit von oberster Priorität und damit Egoismus eine notwendige Eigenschaft? Wenn wir nicht unser eigenes Überleben und damit unsere eigenen Bedürfnisse an erste Stelle setzen, können wir nicht wirklich etwas zum Arterhalt beitragen.
Auf der anderen Seite scheint auch der Altruismus notwendig zu sein. Zumindest ein soziales Verhalten ist erforderlich, um die Art zu erhalten. Für das persönliche Wohl und Überleben allein zu sorgen bedeutet, den Zerfall der Art/Gesellschaft in Kauf nehmen.

Das Klischee vom egoistischen Manager, der nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist und über Leichen geht, und das Klischee der idealistischen Erzieherin, die an ihrem Helfersyndrom zu Grunde geht, machen die Diskrepanz deutlich.

Für eine positive Entwicklung der Gesellschaft in der ersten Welt scheint mir eine Auseinandersetzung mit diesen scheinbar polaren Gegensätzen von existentieller Wichtigkeit.

Meine These dazu ist ganz einfach: Egoismus ist immer auch altruistisch und Altruismus ist immer auch egoistisch!
Wir lernen in unserer frühesten Kindheit, welche Verhaltensweisen uns unseren Zielen ein Stück näher bringen. Nun gibt es Menschen, die gelernt haben, dass sie Anerkennung ernten und weiter kommen, wenn sie etwas für andere tun. Solche Menschen werden diese Verhaltensweise perfektionieren und zur Erreichung ihrer eigenen Ziele einen sozialen Egoismus entwickeln. Der Altruismus entsteht aus egoistischen Gründen.
In der Kindheit ist ein überschwängliches Hervorheben des eigenen Weiterkommens ein hervorragender Nährboden für egoistisches Verhalten. Hinter diesem Egoismus steckt nun aber ganz offensichtlich der Wunsch nach Anerkennung anderer und somit die Erfüllung der Bedürfnisse/Anforderungen anderer. Der Egoismus entsteht aus altruistischen Gründen.

Die wahren Beweggründe sieht man also erst, wenn man unter die Oberfläche sieht. Vorurteilsfrei.

Letzten Endes ist es eine Frage der Verhaltenskultur einer Gesellschaft und der Frage, welche Werte werden weiter gegeben. Wenn soziales Verhalten zu einem persönlichen Gewinn führt wird zwangsläufig ein sozialer Egoismus die Folge sein und damit eine Gesellschaft, die materiell UND sozial leistungsfähig ist.


Wickipedia.deAltruismus (lat. alter ‚der Andere‘) ist definiert als eine Verhaltensweise, die einem Individuum mehr Kosten als Nutzen einbringt zugunsten eines anderen Individuums.“

(ursprünglich veröffentlicht am 04.06.2011) 

www.dreier-kukt.de

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