Hilfreich, nett, freundlich, zuvorkommend
und höflich. Diese viel gepriesenen Tugenden scheinen dem Begriff
Egoismus entgegen zu stehen. Es macht weithin den Eindruck, dass man
nicht gleichzeitig egoistisch und altruistisch sozial sein kann. Es geht
nur entweder oder.
Oder?
Von Geburt an ist unser Leben – wie das
Leben jedes Lebewesens - auf ein Ziel hin ausgerichtet: unser Überleben
und das Überleben unserer Art sichern. Wäre nicht unser eigenes
Überleben somit von oberster Priorität und damit Egoismus eine
notwendige Eigenschaft? Wenn wir nicht unser eigenes Überleben und damit
unsere eigenen Bedürfnisse an erste Stelle setzen, können wir nicht
wirklich etwas zum Arterhalt beitragen.
Auf der anderen Seite scheint auch der
Altruismus notwendig zu sein. Zumindest ein soziales Verhalten ist
erforderlich, um die Art zu erhalten. Für das persönliche Wohl und
Überleben allein zu sorgen bedeutet, den Zerfall der Art/Gesellschaft in
Kauf nehmen.
Das Klischee vom egoistischen Manager,
der nur auf den eigenen Vorteil bedacht ist und über Leichen geht, und
das Klischee der idealistischen Erzieherin, die an ihrem Helfersyndrom
zu Grunde geht, machen die Diskrepanz deutlich.
Für eine positive Entwicklung der
Gesellschaft in der ersten Welt scheint mir eine Auseinandersetzung mit
diesen scheinbar polaren Gegensätzen von existentieller Wichtigkeit.
Meine These dazu ist ganz einfach: Egoismus ist immer auch altruistisch und Altruismus ist immer auch egoistisch!
Wir lernen in unserer frühesten Kindheit,
welche Verhaltensweisen uns unseren Zielen ein Stück näher bringen. Nun
gibt es Menschen, die gelernt haben, dass sie Anerkennung ernten und
weiter kommen, wenn sie etwas für andere tun. Solche Menschen werden
diese Verhaltensweise perfektionieren und zur Erreichung ihrer eigenen
Ziele einen sozialen Egoismus entwickeln. Der Altruismus entsteht aus
egoistischen Gründen.
In der Kindheit ist ein überschwängliches
Hervorheben des eigenen Weiterkommens ein hervorragender Nährboden für
egoistisches Verhalten. Hinter diesem Egoismus steckt nun aber ganz
offensichtlich der Wunsch nach Anerkennung anderer und somit die
Erfüllung der Bedürfnisse/Anforderungen anderer. Der Egoismus entsteht
aus altruistischen Gründen.
Die wahren Beweggründe sieht man also erst, wenn man unter die Oberfläche sieht. Vorurteilsfrei.
Letzten Endes ist es eine Frage der
Verhaltenskultur einer Gesellschaft und der Frage, welche Werte werden
weiter gegeben. Wenn soziales Verhalten zu einem persönlichen Gewinn
führt wird zwangsläufig ein sozialer Egoismus die Folge sein und damit
eine Gesellschaft, die materiell UND sozial leistungsfähig ist.
Wickipedia.de „Altruismus (lat. alter
‚der Andere‘) ist definiert als eine Verhaltensweise, die einem
Individuum mehr Kosten als Nutzen einbringt zugunsten eines anderen
Individuums.“
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