Samstag, 18. Mai 2013

Schulverweigerung - das Kind sitzt am längeren Hebel

Immer mehr Kinder und Jugendliche weigern sich zumindest zeitweise die Schule zu besuchen. Ob Grundschule oder Berufsbildungsschule, dieses Problem ist bei den meisten Eltern und Lehrern bekannt.

Da wir in Deutschland die Schulpflicht haben, ist die Antwort der Erziehenden recht einfach: „Du musst aber zur Schule gehen!“ Teilweise wird noch ein drohendes „sonst gibt es Ärger“ hinzugefügt. Sachlich ist das ja richtig, aber nicht wirklich hilfreich in der Situation.

Es gibt nur einen Weg aus der Situation: die Ursache finden, um dann die Ursache zu beheben. Wenn das funktioniert ist alles wunderbar...

Leider ist das in den meisten Fällen nicht so einfach! Oft leiden die Kinder unter diffusen Ängsten und die Ursache ist nicht heraus zu finden. So kommt es zu einem weiteren Problem: die Eltern werden unsicher. Von außen wird in der Regel der Druck erhöht. Die Schule lädt zum Gespräch ein und weist auf die Schulpflicht hin und vielleicht sogar darauf, dass in der Schule alles in Ordnung ist und es sich wohl um ein erzieherisches Problem handelt. Dazu kommen Fragen von Bekannten und Verwandten. „Warum geht euer Kind denn nicht zur Schule?“ Gute Ratschläge nach dem Motto „Dem würde ich was erzählen/das Taschengeld streichen/Strafarbeiten geben“ runden das Szenario ab.
Mit anderen Worten, die Eltern beginnen unter der Situation in doppeltem Sinne zu leiden. Auf der einen Seite das Mitgefühl für das leidende Kind und auf der anderen Seite die „Vorwürfe“ von Außen und damit verbundene Versagens- und Schuldgefühle. (vgl. http://bit.ly/dLige8)

An dieser Stelle muss festgestellt werden: Wenn das Kind nicht zur Schule gehen will, geht es nicht zur Schule. Punkt! So einfach ist das...

Es gibt etwas, dass das Kind nicht zur Schule gehen lässt. Das Kind geht aus einem unbekannten Leidensdruck nicht zur Schule. Das lässt sich nun durch einen Leidensdruck auf der anderen Seite kompensieren. Wenn das Leiden durch die Schulverweigerung größer ist, als das Leiden durch den Schulbesuch, wird das Kind selbstverständlich wieder zur Schule gehen. Das Kind geht also wieder zur Schule für den Preis des permanenten Leidens. Keine wirkliche Lösung!

Wenn ein Kind hohes Fieber hat, ist es krank und bleibt zu hause. Im Umkehrschluss bedeutet dies, wenn ein Kind zu hause bleibt, ist es krank. Also ganz einfach: zunächst der Weg zum Arzt für einen Attest und eine Überweisung zu einem Kinder- und Jugendlichentherapeuten. Damit können auch die Eltern dem Druck von Außen etwas entgegen setzen. „Warum geht euer Kind nicht zur Schule?“ „Weil es krank ist.“ Auch der Schulpflicht ist damit zunächst genüge getan.

Ein weiterer und vielleicht entscheidender Vorteil: Die Eltern können sich dem Kind mit Verständnis und positiver Zuwendung widmen, anstatt Druck aufzubauen und Strafsysteme zu installieren. In vielen Fällen führt dies recht schnell zu einer umfassenden Entspannung der Situation in der das Kind sich selbst wieder trauen kann und sich den Eltern vielleicht sogar anvertraut.

Eine schnelle Lösung gibt es in den meisten Fällen nicht. Ich wünsche allen Betroffenen die nötige Kraft, um aus dieser Odyssee gestärkt hervorzugehen.

Das unser Schulsystem und die Lehrmethoden alles andere als angemessen sind, daran besteht kaum ein Zweifel. Von diesem Standpunkt aus ist es wohl kein schlechtes Zeichen, wenn ein Kind sich in diesem System nicht zurecht findet.

(ursprünglich veröffentlicht am 20.03.2011) 

www.dreier-kukt.de

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