Samstag, 18. Mai 2013

katastrophale Zustände in medizinischen und pädagogischen Ausbildungen

Egal ob es sich um Studien im medizinischen Bereich, Ausbildungen in Pflegeberufen oder Ausbildungen im Pädagogischen Bereich handelt: Die Praxis zeigt, dass etwas Wesentliches zu fehlen scheint. Die Menschlichkeit!

Es ließen sich unzählige Beispiele aufführen, ich will mich aber auf ein recht drastisches Beispiel aus meiner Kindheit beschränken. Ich war etwa vier Jahre alt, als ich wegen Polypen im Krankenhaus lag. Ein karges Zimmer, das ich mir mit drei anderen Jungs teilte. Eltern im Krankenhaus waren damals nicht gern gesehen (was sich Gott sei dank geändert hat). Morgens vor der Operation kam ein Krankenpfleger oder Arzt in unser Zimmer. Er trug einen blauen Kittel und einen Mundschutz und hielt in seiner Hand eine Spritze. Schlagartig herrschte Ruhe im Zimmer!
Seine einzigen und sehr schroffen Worte waren: „Wer hier ist Olaf Dreier?“ Und nachdem ich mich zaghaft gemeldet hatte fügte nur ein „Umdrehen!“ hinzu.

Die Zustände heute sind schon wesentlich besser. Sie könnten aber mit Leichtigkeit noch deutlich verbessert werden! Es gibt einfache Kommunikationsmethoden, die gleichzeitig einen guten Kontakt zum Patienten ermöglichen, aber dennoch eine emotionale Distanz für den professionellen Helfer ermöglichen.
Warum hier keine gezielten Schulungen in die Ausbildungen eingebunden werden ist mir ein Rätsel!

Zwei Sätze, die man immer wieder von Eltern, Pädagogen und medizinischen Fachkräften hört lauten: „Du musst keine Angst haben. Das wird nicht schlimm!“ Ein ganz einfacher Hinweis an alle, die im medizinischen oder pädagogischen Bereich arbeiten: Unser Gehirn kann keine Negationen abbilden!


Die überwiegende Anzahl der Menschen denkt in Bildern. Stellen Sie sich vor, ein Kind läuft am Wasser entlang und jemand ruft „Geh nicht zu dicht an das Wasser!“ Was wird wohl passieren? Im Gehirn des Kindes entsteht zunächst das Bild „zu dicht an das Wasser“ und danach wird praktisch ein Strich durch das Bild gezogen als Verneinung.

Für die Sätze „Du brauchst keine Angst haben. Das wird nicht schlimm!“ gilt dasselbe Prinzip: Bei dem Kind kommt an „Du musst Angst haben. Das wird schlimm!“ Erst dann wird wieder ein Strich durch diese Vorstellung gezogen.
Nun sind unsere emotionalen Reaktionen schneller. Wenn wir wissen (oder denken), dass wir Angst haben müssen, werden in einem Bereich unseres Gehirns, dem Mandelkern (Amygdala), Botenstoffe ausgesandt, die unseren Verstand praktisch lahm legen und uns instinktiver reagieren lassen. Damit ist eine Panik vorprogrammiert.

Also bitte einfach positiv formulieren: „Du kannst ganz locker bleiben. Das ist ganz wichtig für dich, damit es dir gut geht!“ Oder, um zu dem Beispiel mit dem Ufer zurück zu kommen: „Bleib lieber in meiner Nähe, damit du trocken bleibst!“

(ursprünglich veröffentlicht 05.02.2011)

www.dreier-kukt.de

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