Samstag, 18. Mai 2013

Kreativität und Leistungsdruck? Ein Witz!

Im folgenden werde ich mich, was die Definition und die Kreativität fördernden Bedingungen angeht eng an die Aussagen von Carl Rogers halten, wie sie in seinem Buch „Entwicklung der Persönlichkeit“ im Kapitel 19 von ihm dargestellt werden. Leider muss ich mich auf wesentliche Punkte beschränken, um nicht den Rahmen zu sprengen. Eine Lektüre des Buches oder zumindest des Kapitels kann ich nur jedem empfehlen.

Die Definition des kreativen Prozesses nach Carl C. Rogers: „Er ist das tätige Hervorbringen eines neuartigen Produkts der Beziehung zwischen der Einzigartigkeit des Individuums einerseits und den Materialien, Ereignissen, Menschen oder Umständen seines Lebens andererseits.“

Die Motivation zur Kreativität sieht Rogers in dem Bestreben des Menschen, sich selbst zu aktualisieren, d.h. sich zu entwickeln und seine Möglichkeiten/Fähigkeiten auszuschöpfen. Diese Tendenz nach Entwicklung „kann unter Schichten verkrusteter psychischer Abwehrhaltungen tief begraben sein; sie kann hinter aufwendigen Fassaden versteckt liegen, die ihre Existenz leugnen.“

Die Definition des kreativen Prozess erfasst sowohl die Entstehung eines neuen Backrezeptes am heimischen Herd als auch die Entwicklung einer neuen Raketensteuerung. Der kreative Prozess an sich kann nicht in Gut oder Böse eingeteilt werden. Sinnvoller ist es hier nach konstruktiver und destruktiver Kreativität zu urteilen. Allerdings lässt sich das entstandene Produkt (wenn überhaupt) erst weit nach seinem Schaffen beurteilen.

Carl C. Rogers leitet von den klinischen Ergebnissen der Psychotherapie drei Bedingungen für eine konstruktive Kreativität ab:
A: Offenheit gegenüber Erfahrung. Auch gegenüber der, die den eigenen Vorstellungen und Voranahmen widerspricht.
B: Eine innere Bewertungsinstanz. Der schöpferische Mensch beurteilt das Produkt allein aus sich heraus. Das Urteil anderer ist für ihn wahrnehmbar, aber nicht für sein eigenes Urteil relevant.
C: Die Fähigkeit, mit Elementen und Begriffen zu spielen. Eine fehlende Scham davor, Lächerliches zu formulieren oder auszuprobieren, den Mut wilde Hypothesen aufzustellen.
Selbstzweifel und die Angst vor dem Allein-Sein sind solchen Menschen oft nicht fremd. Etwas Neues schaffen, etwas tun, was niemand je getan hat, was niemand kennt, verursacht fast zwangsläufig diese Gefühle.

Diese Fähigkeiten sind in jedem Menschen, aber nicht jeder Mensch lebt unter Bedingungen, in denen er sie entfalten kann.
Eine Voraussetzung hierfür ist die psychische Sicherheit. Das Individuum muss hierfür von seinem Umfeld bedingungslos als wertvoll akzeptiert werden. Es muss sich möglichst in einem Umfeld befinden, in dem keine Wertsetzung von außen erfolgt. Die Beziehungen sollten von empathischem Verständnis geprägt sein – einem teifen Akzeptieren und Verstehen.
Die zweite Voraussetzung ist die psychische Freiheit des Menschen. Es geht um die völlige Freiheit des symbolischen Ausdrucks. Die Zerstörung einer Bezugsperson ist nicht akzeptabel, die Zerstörung eines Symbols dieser Person allerdings schon. Warum sollte z.B. kein Bild vom Vorstand an einer Dartscheibe im Büro hängen?

Zu dieser Theorie kam Carl Rogers nach einem Kongreß im Jahre 1952, zu dem er von einer Fördergesellschaft der Ohio State University geladen wurde.

Rogers schrieb damals: „Unser Bildungswesen fördert Konformisten, Stereotypen, Individuen, deren Bildung 'abgeschlossen' ist (…). Bei unseren Freizeitaktivitäten dominieren passive Unterhaltung und reglementiertes Gruppenbandeln bei weitem (…). In der Wirtschaft reserviert man schöpferisches Tun für die wenigen – den Manager, den Designer, den Leiter der Forschungsabteilung (…). Man gewinnt den gleichen Eindruck im Hinblick auf das Leben des Einzelnen und der Familie. (…) Original oder anders zu sein, empfindet man als 'gefährlich'.“

Wie ist es heute?

Wie ist es, wenn sie die Bedingungen für konstruktive kreative Prozesse in Ihrem Umfeld überprüfen? Seien Sie Sie selbst!

Ich wünsche allen Lesern den Mut, sich selbst zu entdecken. Immer wieder neu. Jeden Tag. Die Kraft Fassaden abzulegen und die eigenen Möglichkeiten zu leben.

(ursprünglich veröffentlicht am 03.04.2011) 

www.dreier-kukt.de

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